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Sommerparty 2016 – HeldInnen für eine Nacht

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Foto: Antonia Vilos

Jedes Jahr öffnet das Ananda seine Pforten für ein rauschendes Sommerfest. Eine Nacht lang tummeln sich in unseren schönen Räumlichkeiten festlich hergerichtete Masseure und Masseurinnen, Freunde und Partner derselbigen sowie Freunde und Unterstützer des Ananda.

Dieses Mal standen die Festlichkeiten unter dem Motto „HeldInnen für eine Nacht“. Fast das gesamte Ananda Team hatte das Thema wochenlang liebevoll vorbereitet und die Massagepraxis entsprechend dekoriert. Unsere zahlreichen und wundervollen Gäste kreierten dann nicht nur ein Potpurri aus phantasievollen Kostümen, sondern auch eine ausgesprochen entspannte Atmosphäre und ein opulentes Buffet.

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Foto: Antonia Vilos

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Foto: HCD

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Foto: HCD

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Foto: Antonia Vilos

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Foto: Antonia Vilos

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Foto: Antonia Vilos

 

Die Gästeliste konnte sich sehen lassen: Frank N. Furter, Prinzessin Leia, Marylin Monroe; sogar Isis und Kleopatra ließen sich nicht zweimal bitten. Superman und Spiderman überwanden ihre Schüchternheit und mischten sich unters Volk. Gleich drei Inkarnationen von Jesus hatten sich auf den weiten Weg zu uns gemacht, von denen sich einer im Laufe der Nacht auf mysteriöse Weise in Moses verwandelte… Lara Croft beehrte uns in doppelter Ausführung mit ihrer geballten Frauenpower. Einige Helden und Heldinnen, wie zum Beispiel Ananda Woman zeigten sich bei uns sogar erstmals in der Öffentlichkeit.

Isis und Moses beeinflussen das EM Spiel Deutschland gegen Italien ;-) - Foto: Antonia Vilos

Isis und Moses beeinflussen das EM Spiel Deutschland gegen Italien😉 – Foto: Antonia Vilos

Weil auch Helden und Heldinnen zuweilen vom EM Fieber gepackt werden, hatten wir eigens einen Raum mit Beamer eingerichtet und sorgten mit vereinten Heldenkräften dafür, dass das Elfmeterschießen beim Viertelfinale diesmal zugunsten der Deutschen ausging.

Danach wurde natürlich ausgiebig gefeiert, unsere grandiosen DJs sorgten für ausgelassene Partystimmung.

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Foto: HCD

Wir danken allen, die dieses einzigartige Fest möglich gemacht haben und freuen uns schon auf das nächste Mal!faders_exampleEva Tantra Massage KölnEva, die Autorin dieses Beitrags beschäftigt sich seit vielen Jahren intensiv mit den Themen Sexualität und Tantramassage. In diesem Zusammenhang interessieren sie vor allem historische, soziale und kulturelle Aspekte. Es ist ihr ein Anliegen, der Tantramassage in die „Mainstreamkultur“ zu verhelfen und somit zu einem neuen Verständnis von Sexualität als Teil unseres Menschseins und unserer Kultur beizutragen.

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Maria Giulia: Von Musik zur Massage – Teil2

Maria GiuliaMaria Giulia beschreibt ihre erste Tantramassageerfahrung, ihren Weg nach Deutschland, die Entscheidung für diesen Beruf und, ganz privat, wie sie sich in Köln eingelebt hat, den ersten Karneval hier als kulturelles Ereignis und wie sie die Kölner insgesamt erlebt.

Stefanie: Jetzt interessiert mich natürlich noch, wie Du überhaupt in Deutschland gelandet bist und dann, wie Du ausgerechnet auf Tantramassage gekommen bist?

Maria Giulia: Naja, ich wollte mich in der Musik weiterentwickeln und da wurde mir Nürnberg als Lernort empfohlen. Ich habe mich an der Musikhochschule beworben und habe dort nochmal studiert. Dort fand ich einen wunderbaren Lehrer, gab selbst Unterricht an verschiedenen Musikschulen und hatte einige Schüler, habe mir also nach und nach in Deutschland ein neues Leben aufgebaut. Mit keinerlei Deutschkenntnissen am Anfang! Das war nicht immer einfach.

Leider ging über diese Entfernung meine fast 10-jährige Partnerschaft in Italien in die Brüche. Das war sehr schlimm für mich und es ging mir gar nicht gut. Ich wollte aus dem Loch raus, etwas Gutes für mich machen und suchte im Internet nach Massage, also einer ganz einfachen, normalen. Dass es so etwas wie Tantramassage geben könnte: auf die Idee wäre ich zu dem Zeitpunkt niemals gekommen, das war eine ganz fremde Welt für mich.

Aber: ich stieß auf die Adresse des Massageinstituts in Nürnberg, in dem ich ein paar Jahre später dann auch gearbeitet habe. Ich schaute mir die Seite an und dachte: „Ausprobieren!“. Wobei mir wirklich nicht recht klar war, was auf mich zukommen würde. Diese erste Massage war von starken Emotionen begleitet: nie hätte ich mir vorstellen können, von einem fremden Menschen so liebevoll angenommen zu werden, gehalten und zärtlich gestreichelt. Ganz zu schweigen von einer Intimmassage durch eine fremde Frau! Doch es hat mich zutiefst berührt und bewegt und ich habe direkt nach dieser Massage gefragt: „Wo kann ich das lernen?“. Wobei ich da noch überhaupt nicht dachte, dass ich diese Massage selbst einmal beruflich weitergeben würde, ich wollte es einfach für mich lernen.

Ich suchte mir dann einen Tantrakurs nur für Frauen und fühlte mich dort sehr wohl und gut aufgehoben. Das war 2010.

Stefanie: Später folgten weitere Ausbildungen. Du hast in Nürnberg begonnen, professionell mit der Tantramassage zu arbeiten. Ich stelle mir das als große Veränderung vor: von einem Leben voller Disziplin, einem strukturierten Tagesablauf, der komplett verplant ist, keine Zeit für Hobbies. Die Tantramassage kann man nicht jeden Tag als Beruf ausführen, also auch nicht jeden Tag üben und eine Ausbildung nach der anderen, ohne Pausen, wäre auch nicht das Richtige. Du hast also wahrscheinlich mehr Freizeit als früher?

Maria Giulia: Ich habe überhaupt zum ersten Mal in meinem Leben Freizeit! Und das fühlt sich toll an. Einige Träume haben sich erfüllt: ich habe Zeit, Tanzen zu gehen und eine meiner Leidenschaften ist Tango Argentino. Musik und körperliche Bewegung kommen hier zusammen und das fühlt sich für mich ganz wunderbar an. Eine Weile habe ich auch mit einem Trio diese Musik gespielt, doch jetzt kann ich mich ganz dem Tanz hingeben.

Ich lese viel, vor allem über Ernährung, Gesundheit allgemein, Psychologie, Spiritualität und viele Tantrabücher. Und ich gönne mir was: eine Massage nach den Arbeitstagen im Ananda, einen ausgiebigen Saunabesuch. Ich kenne schon die meisten Saunen in Köln und finde sie prima. Ich bin auch sanfter zu mir geworden, gönne mir mal einen Tag Nichts-Tun, also faulenzen, was ganz Neues für mich, sorge mehr für mich und meine Bedürfnisse. Das tut mir gut.

Auch der Massageaustauch mit meinen Kolleginnen ist mir wichtig. In diesem Frauenkreis angekommen zu sein, die offenen Gespräche, das Gefühl, am richtigen Ort zu sein, all das ist eine Bereicherung für mich.

So genieße ich mein Leben und kann diese Zufriedenheit und diese glückliche Grundeinstellung an meine Gäste weitergeben. Bei Gesprächen gebe ich dann oft Buchempfehlungen und hoffe, anregend für andere zu sein und zu deren gutem Leben einen Beitrag leisten zu können.

Stefanie: Du bist ja sogar vor kurzem von Nürnberg nach Köln gezogen und lebst nun mit Isabella in einer WG. Das freut uns natürlich sehr, denn wir erleben Dich als Bereicherung für unser Team. Bist Du denn schon richtig in Köln gelandet?

Maria Giulia: Zusammen mit meinen Ananda-Kolleginnen habe ich meinen ersten Karneval in Köln erlebt und es war toll! Ich mag die Kölner: sie sind offen, freundlich, lebensfroh, man wird häufig angesprochen: auf der Straße, in der Sauna…
Und jeder duzt Dich in Köln! Das ist ganz neu für mich und ich mag es sehr, da ich selbst ein kontaktfreudiger und aufgeschlossener Mensch bin. Ansonsten war ich natürlich schon im wunderschönen Dom, bin aber gerade noch dabei, Köln mehr zu entdecken.

Stefanie: Hast Du schon eine Idee, wie es für Dich weitergehen kann, eine Vision für die Zukunft?

Maria Giulia: Im Bereich der Tantramassage gibt es noch viel, was ich lernen und an Wissen vertiefen möchte. Es stehen also noch einige Fortbildungen auf der Wunschliste.

Daneben ist mein Anliegen, oder ergänzend, mich noch weiter mit den Themen vegane und gesunde Ernährung, Spiritualität, dem Körper, Psychologie und Gesundheit allgemein zu beschäftigen. Also ein ganzheitlicher Ansatz, der alle menschlichen Themen zusammenbringt und mit berücksichtigt. Genug zu tun, zu lernen, zu erforschen für die nächsten Jahre – darauf freue ich mich.

Stefanie: Liebe Maria Giulia, das war ein tolles Gespräch und ich habe viel Interessantes über Dich erfahren. Ich danke Dir sehr für Deine Offenheit und Dein Vertrauen. So ehrlich von anderen Lebensgeschichten zu hören, ist immer auch eine große Bereicherung und ein Geschenk. Willkommen also nochmal im Ananda-Team und in Köln!
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stefanie.htmlStefanie hatte die Idee zu diesem Blog. Sie ist die Chefredakteurin bei der alle Fäden zusammenlaufen.
Gemeinsam mit der Inhaberin Martina führt sie die Massagepraxis ANANDA – Kunst der Berührung in Köln und kümmert sich dort als Teamleiterin um ca. 30 Frauen und Männer, die regelmäßig im Ananda Massagen anbieten.

Ein Kommentar

Paul: Wie die erste Massage von einem Mann mich verändert hat

Paul_tantra_masseur_koelnAb 7. Mai verstärkt Paul unser Massageteam. Damit haben wir als erste Tantramassagepraxis in Deutschland 4 Männer – ein weiterer Schritt in Richtung Geschlechter-Gleichberechtigung.
Neben dem Beruf als Tantramasseur ist Paul als Gestalttherapeut tätig. Welche Zusammenhänge Paul zwischen diesen beiden Berufen sieht und wie die erste Tantramassage von einem Mann auf ihn wirkte, erzählt er uns im folgenden Interview.

Martina: Paul, du verstärkst ab Mai unser Team, worüber wir uns sehr freuen, denn neben AlexanderOliver und Christoph bist du nun der vierte Mann im Ananda-Bunde, das ist neuer Rekord in deutschen Tantramassagepraxen.
Bei dir ist der Berufswunsch „Tantramasseur“ ja auch über das Erleben einer Tantramassage selbst entstanden. Erzähl uns doch mal, wie war denn damals dein erster Kontakt zur Tantramassage?

Paul: Du wirst es nicht glauben, aber ich habe im Internet nach eher üblicheren Massagen gesucht. Im Sinn hatte ich eine sportliche Wellness-Massage, Shiatsu oder eine Thaimassage. Ich wollte etwas gegen meinen verspannten Rücken unternehmen. Vor einem Urlaub in die Türkei wollte ich als Urlaubseinstieg mich massieren lassen und dann entspannt in den Flieger steigen. Was ich fand, war eine Tantramassage. Mich hat die Möglichkeit, mich in liebevoller und sinnlicher Weise am ganzen Körper berühren zu lassen, angesprochen und die Anbieterseite machte einen seriösen Eindruck. Also buchte ich. An diesem Tag bin ich zweimal abgehoben. Einmal mit dem Flieger und einmal bei der Massage. Vielleicht hatte ich einfach Glück, denn meine Masseurin hatte ihre Profiausbildung bei AnandaWave abgeschlossen. Dort habe ich dann selbst gelernt. Das war mein Weg zum Profi

Martina: Bei jeder Art von Körperarbeit gilt ja das eherne Gesetz, Beruf und Privatleben strikt zu trennen. Das heißt, auch wenn ich mich in der Tantramassage mit allen Sinnen meinem Massagepartner widme, ist die Begegnung auf die Dauer des Rituals beschränkt und der verständliche Wunsch, sich näher kennenzulernen, wird zumeist höflich, aber bestimmt zurückgewiesen.

Paul: Ja, natürlich ist das die Regel und es ist ein wirklich wichtiger Punkt, diese beiden Seiten klar zu fassen. Aber bei mir war es dennoch anders. Mit der Masseurin, bei der ich meine erste Tantramassage im professionellen Umfeld genoss, entwickelte sich tatsächlich eine Freundschaft. Wir verstanden uns von Beginn an prächtig und wir überlegten sogar beruflich zusammenzuarbeiten, sie als Tantramasseurin, ich als Gestalttherapeut. Mir wurde dann aber sehr schnell klar, dass ich selbst ebenfalls Masseur werden wollte. So buchte ich das erste Grundseminar bei Michaela Riedl von AnandaWave und anschließend die komplette Ausbildung. Mit meiner ersten Masseurin bin ich übrigens immer noch in Kontakt, wir sind dicke Freunde geworden und jetzt sogar Kollegen hier bei Ananda.

Martina: Du arbeitest als Gestalttherapeut. Die Tantramassage darf von Gesetzes wegen weder heilen noch therapieren, aber dennoch sehe ich Gemeinsamkeiten zwischen deiner Arbeit als Gestalttherapeut und der Tantramassage. Beides dient zu mehr als nur der Steigerung des Wohlbefindens und beides kann für einen Menschen ein wichtiger Schritt in ein erfüllteres Leben sein. Wie siehst du das?

Paul_blog_seitePaul: Als Gestalttherapeut sehe ich den Menschen so, wie er ist, nehme ihn an und gebe ihm damit die Möglichkeit verletzliche oder auch verletzte Seiten zu zeigen, die er aus Selbstschutz ansonsten versteckt. Der geschützte Raum unterstützt und ermöglicht den Menschen, sich zu öffnen, und ich begleite sie dabei. Als spiritueller Mensch erfahre ich von Jesus, der die Menschen, die ausgestoßen wurden, annimmt, wie sie sind, sie berührt und durch die Berührung heilt. Dahinter steht für mich die bedingungslose Annahme dessen, was der Mensch ist. Es kann dadurch das Verklemmte, Verkrüppelte, Taube und Blinde ins Licht kommen und sich lösen. Der Mensch wird lebendiger und freier. Das Tantra, das ich erfahren durfte, deckt sich mit dieser mir sehr wichtigen Lebenshaltung auf einer neuen Ebene. Ich wünsche mir, dass die Körperarbeit oder Körpertherapie gleichberechtigt neben anderer therapeutischer Arbeit stehen kann. Ich bin froh, dass ich in Köln bei Ananda eine Praxis und ein Team gefunden habe, wo ich diese wertvolle Arbeit im Dienst des Menschen anbieten kann.

Martina: Die Tantramassage gehört zu den Berufen, die überwiegend von Frauen ausgeübt werden. Man redet in der Regel von der Tantramasseurin, obwohl es auch Männer gibt, die in diesem Beruf tätig sind, wie du uns gerade beweist. Ananda ist hier Vorreiter und gehört zu den Massagepraxen, die gerne Männer im Team willkommen heißen und die Gleichberechtigung in diesem Sektor forcieren. Wie sieht das bei dir aus: Massierst du sowohl Männer als auch Frauen?

Paul: Natürlich begegne ich Frauen wie Männern in der Massage gleichermaßen. Das war aber nicht immer so. Während der Ausbildung bei AnandaWave kam ich das erste Mal mit der Frage „Kann und möchte ich einen Massageaustausch mit Männern?“ in Kontakt und anfangs in Konflikt. Ich konnte mir das gar nicht vorstellen! Es schüttelte mich bei diesem Gedanken sogar ein wenig. Das Schicksal half mir aber bereits im Grundseminar auf die Sprünge. Meine damalige Übungspartnerin kam bei der Massage an eine schmerzhafte Seelenwunde und konnte nicht weitermachen. Ein Assistent aus dem Seminarteam bot mir dann an, mich in der Rückrunde zu massieren. Das war die Gelegenheit für mich, mich dem Thema zu stellen, und ich willigte ein. Das war schon eine große Erfahrung für mich, die mich meiner eigenen Männlichkeit sehr viel näher gebracht hat. Ich bin auch nach dieser intensiven Begegnung heterosexuell geblieben. Im Laufe der Ausbildung habe ich aber erfahren, wie in der inneren Haltung in einer Massage das Bild von Mann wie von Frau verschwimmt. Ich kann beide Geschlechter mit meinem Herzen berühren, und mich als Mann folglich ganz anders annehmen. So wie ich mich berühre, so kann ich andere berühren. So weit ich gegangen bin, so weit kann ich andere begleiten. Ich kann meinen Nächsten nur so weit lieben, wie ich mich SELBST liebe! Diese Liebe ist ehrlicher, freier … dem anderen und mir selbst gegenüber. Heilsam! So trifft sich in dieser himmlisch anmutenden Berührungskunst: der Glaube, die Liebe und die Hoffnung auf eine bessere Welt.

faders_examplemartina-tantra-massageMartina gehört zu den Pionieren der deutschen Tantramassage-Szene. Sie hat die Massagepraxis „ANANDA – Kunst der Berührung“ 1997 gemeinsam mit Freunden gegründet. 2004 hat sie den Berufsverband Tantramassage ins Leben gerufen und war mehrere Jahre im Vorstand aktiv. Martina unterstützt das Blog finanziell und manchmal auch mit eigenen Texten. Sie tritt für eine Gesellschaft ein, in der das Wissen über Sexualität genauso wichtig und angesehen ist wie das Wissen um körperliche und  seelische Gesundheit.

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Ein Spiegel Interview über Tantra-Massagen

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Am 2. April 2016 brachte Spiegel Online ein Interview mit Katrin Aschermann zu Thema Tantramassage. Besonders gefreut haben wir uns über die Nennung des Berufsverbandes für Tantramassage

Bei uns in Köln gingen spürbar mehr Anrufe ein und die Kommentarseite zum Artikel umfasst inzwischen 76 Kommentare – sehr durchwachsene Kommentare, die leider oft bei oberflächlichen Vorwürfen stehen blieben.
Für Eva aus dem Ananda Massageteam ein Grund ebenfalls auf den Kommentarseiten deutlich Stellung zu beziehen:

Leider ist das Interview zu kurz, um wirklich einen Eindruck von dem zu vermitteln, was gemeinhin als „Neo-Tantra“ bezeichnet wird, zu dem auch die Tantramassage (abgekürzt „TM“) gehört. Deshalb möchte ich dazu ein paar Denkansätze und Erfahrungen aus meiner Arbeit mit der TM beitragen.

Ich arbeite seit mehreren Jahren als Tantramasseurin in seriösen und anerkannten Instituten und habe mich von Anfang an mit dem Phänomen „Tantramassage“ auch intellektuell ausgiebig beschäftigt, nicht zuletzt, weil ich von Haus aus studierte Religionswissenschaftlerin bin. Vielleicht kann ich einige Missverständnisse richtig stellen, die in den bisher bereits abgebenen Kommentaren zutage getreten sind:

  1. Tantramassage ist „veredelte“ Prostitution

Ja, natürlich gibt es sie, Etablissements, die das übliche Programm mit Räucherstäbchen veredeln und als TM verkaufen, wo man sich als Prostituierte und/oder Kunde irgendwie besser oder besonders fühlt, bloß weil man dem Akt und der Webseite einen esoterisch-violetten Anstrich gegeben hat.

Na und? Wieso diese Abwertung der Prostitution? Es gab seit jeher in allen Kulturen Frauen und Männer, die entsprechende Dienstleistungen anboten und es wird Zeit, dass diese „Profession“ als legitimer Beruf anerkannt wird. Sexuelle Dienstleistungen spielen eine essentielle Rolle in einer Gesellschaft, in der es offensichtlich vielen Menschen schwer fällt, ihre sexuellen Bedürfnisse befriedigend zu erfüllen. Ich halte es für sinnvoller, die Gründe für diese Problematik zu diskutieren als die Sexarbeit an den Pranger zu stellen.

Ob Tantramassage in die Schublade „Sexarbeiter“ einzuordnen ist, ist noch offen. Ja, natürlich kommen viele Gäste, die „lediglich“ ein sinnliches Erlebnis und sexuelle Befriedigung suchen.

Es wäre jedoch schade, die TM hierauf zu reduzieren. Wie beispielsweise auf der Website von Ananda in Köln  oder beim Tantramassage-Verband e.V. nachzulesen ist, haben seriöse und professionelle TM-Institute einen weit höheren Anspruch. In gepflegten und niveauvoll eingerichteten Räumen empfängt Sie eine erstklassig ausgebildete Berührungskünstlerin, die Sie nach einem Vorgespräch und einer Dusche auf ein warmes Lager bettet. Die TM ist eine sinnliche Ganzkörpermassage, die den Intimbereich miteinbezieht. Sie versteht sich dabei eher als „ganzheitlich“, weniger als „erotisch“. Mithilfe eines ausgefeilten und teilweise ausgefallenen Repertoires unterschiedlicher Berührungen beschenkt Sie ihr Masseur im besten Falle mit der Widerfahrnis des eigenen Körpers, dem sogenannten „Im-Hier-und-Jetzt-Sein“, wo die ewig plappernden Gedanken bisweilen Ruhe geben und der Möglichkeit, die eigene Lust und Sexualität in aller Ruhe zu erfahren und zu genießen. Es können aber auch ganz andere Gefühle aufkommen, zum Beispiel Angst, Scham oder Trauer. Sexualität ist ein hochsensibler Raum, in dem wir uns oft nicht trauen, unsere Gefühle zu zeigen. Eine gute Tantramasseurin ist in der Lage, Sie mit allem, was sich zeigt, aufzufangen.

  1. Das ist kein „echtes“ Tantra

Liebe „Buddhisten“: Sie haben recht. Im Zuge der Entwicklung und Verbreitung des sogenannten „Neotantra“ wurden unzählige spirituelle Wahrheiten ihrem Kontext entrissen und neu interpretiert. Mit dem „ursprünglichen“ Tantra hat die TM, so wie sie heute angeboten wird, nur entfernt etwas zu tun, auch wenn einige Webseiten versuchen, Ihnen das Gegenteil Glauben zu machen.

Ich wiederhole: Na und? Deswegen ist die Idee oder das Konzept ja nicht gleich schlecht. Viele Masseure und TM-Ausbilderinnen sind sich dessen bewusst, dass die Massage einen irreführenden Namen trägt. Bisher ist uns kein besserer eingefallen, und natürlich würde ein neuer Name unsere Gäste nicht unerheblich verwirren.

Tatsächlich arbeiten einige Masseurinnen und Institute aktiv an einer Emanzipation der TM heraus aus der „Eso-Schiene“, weil ihr der althergebrachte Ruf bei weitem nicht gerecht wird. Nach jahrzehntelanger Forschung und Entwicklung ist die TM ganz klar ihren spirituellen Wurzeln entwachsen und entfaltet nach und nach ihr vielfältiges Potenzial. Was fehlt, ist eine neue Schublade. Die muss für die TM wohl erst erfunden werden.

Die TM ist eine echte Grenzgängerin – wir bewegen uns auf der Grenze zur sexuellen Dienstleistung, an der Grenze zwischen Wellness und Kunst, zwischen „Therapie“ und Genuss, an der Grenze zwischen privat und öffentlich, persönlich und professionell (die Person und Persönlichkeit der Masseurin ist quasi Teil der „Performance“ und damit der Dienstleistung), Spiritualität und Philosophie, Natur und Kultur uswusw….

Die Einordnung der TM in die Gesellschaft, so wie sie heute ist, ist eine intellektuelle Höchstleistung.

  1. Was Tantramassage wirklich ist – wenn man sie lässt.

Ich spreche hier von einer „echten“ Tantramassage im Sinne von ordentlich erlernt (ja, hierfür gibt es mehrjährige Ausbildungen) in einer anerkannten Schule (der Tantramassage Verband sorgt hier für Qualitätssicherung) und ihrer „sachgemäßen“ Anwendung (in einem „seriösen“ Institut, auch hierfür stellt der Verband Qualitätskriterien auf und prüft sie), natürlich ohne „sexuelle Handlungen“ (jegliche Form von oralem oder genitalem Verkehr, Stimulierung des Masseurs durch die Kundin).

Gut gemacht, kann die TM hocherotisch sein, oder spirituell, oder heilsam, oder alles zusammen, oder nichts dergleichen. Jeder erlebt die Massage anders. Männer und Frauen können den Luxus erfahren, sich einfach mal in ihre Lust hinein zu entspannen, ohne irgendwas tun zu müssen. Können lernen, Erregung ohne Orgasmus zu genießen. Männer können lernen, den Orgasmus hinauszuzögern oder mehrere Orgasmen zu haben. Frauen können lernen, überhaupt einen Orgasmus zu haben oder erfahren was ihr Genital sonst noch an Emotionen zu bieten hat. Paare können lernen, einander so zu berühren, wie sie es am liebsten mögen. Undundund…

Wo sonst hat der Mensch die Möglichkeit, seine Sexualität in Freiheit zu erfahren, zu erforschen und zu als Fertigkeit zu erlernen? Dieses Konzept ist in der Tat nicht leicht zu begreifen. Sexualität erleben ohne Liebe, ohne langwierig aufgebaute „Intimität“, ohne mühsam „erarbeitetes“ Vertrauen? Jenseits privater Gemächer, und doch in einem sicheren und vertrauensvollen Rahmen? Echte Begegnung zwischen zwei Menschen, die sich noch nie gesehen haben? Achtsame, hingebungsvolle und durchaus liebevolle Berührung – gegen Geld? In vielen Köpfen geht das nicht zusammen. Doch genau hier liegt in meinen Augen das größte Potenzial der Tantramassage.

Als Grenzgängerin am Rande des Tabus ist die TM in der Lage, eine Neuinterpretation und Neueinordnung von Sinnlichkeit und Sexualität zu erwirken und das nicht nur auf persönlicher, sondern auch auf gesellschaftlicher Ebene. Wie wäre es, in einer anderen „sexuellen Kultur“ zu leben, wo sexuelles Vergnügen nicht hinter vorgehaltener Hand diskutiert wird, sondern als wertvoller und wichtiger Teil eines guten Lebens geschätzt und gepflegt wird?

Die Tantramassage irritiert und polarisiert nicht ohne Grund. In meinen Augen sind es gerade diese Gründe, die den Diskurs über sie so interessant machen.

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Eva ist studiEva-tantra-massage-koelnerte Religionswissenschaftlerin und setzt sich auch vor diesem Hintergrund intensiv mit Fragen von Sexualität und sexueller Kultur auseinander. Es ist ihr ein Anliegen, gerade im historischen Bereich des Tantra, klare Unterscheidungen zum heutigen Neotantra zu machen, wobei sie gleichzeitig den Wert und die Verdienste der neo-tantrischen Massagen nicht schmälern möchte.

 

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Maria Giulia: Von Musik zur Massage – Teil1

M-G-Cello-wb1Hier möchten wir Euch Maria-Giulia ein wenig näher vorstellen. Bevor sie zur Tantramassage kam, war sie Berufsmusikerin. Für uns spannend, welche Ähnlichkeiten es zwischen dem Spiel auf dem Cello und dem „Spiel“ mit einem menschlichen Körper gibt. Welche Parallelen finden sich überhaupt zwischen dem professionellen Ausüben einer Kunst und unseren Massagen?

 

Stefanie: Liebe Maria Giulia, Du bist seit Mai 2015 hier bei uns im Ananda. Zeit, um ein wenig nachzufragen, wie es Dir bei uns geht, ob Du Dich eingelebt hast, aber auch: Wie bist Du überhaupt zur Tantramassage gekommen? Denn ursprünglich hast Du viele Jahre Cello studiert und somit ein ganz anderes Leben geführt.

Maria Giulia: Ja, ich komme aus einer italienischen Musikerfamilie, so dass ich schon als Kind mit Klavier und Gesang begonnen habe. Mit neun Jahren fing ich an, Cello zu studieren. In Italien läuft es ein wenig anders: die Ausbildung dauert 12 Jahre, neben dem Besuch eines Gymnasiums. Es bleibt kaum Zeit für Entspannung und Privatleben.

Stefanie: Das klingt nach einem Leben voller Disziplin, Aus- und Fortbildungen, Lernen. Gibt es Parallelen zu dem, was Du jetzt tust?

Maria Giulia: Auf jeden Fall! Was mir in beiden Berufen sehr wichtig ist, ist eine solide Grundlage und Bildung. Man braucht ein Repertoire an Techniken und Grundstruktur. Von dieser Basis aus kommen dann die Kreativität und das Feingefühl dazu und dies habe ich in meiner Arbeit mit dem Cello täglich gelernt und geübt. So sind mir auch bei der Tantramassage solide Ausbildungen und ein breites Fundament wichtig. Das gibt mir Sicherheit in den Massagen und Professionalität ist mir ein großes Anliegen.

Stefanie: Gibt es denn noch weitere Ähnlichkeiten zwischen einer Musikerin und einer Tantramasseurin?

Maria Giulia: Ich würde sagen, es gibt bei beidem, dem Cello und dem „Spiel“ auf dem Menschen, eine Phase der Einstimmung. Ich stimme mich auf die andere Person ein und sie sich auf mich. Das ist auf jeden Fall ein ähnliches Gefühl für mich. Wie beim Cello muss ich in der Massage sehr sensibel sein, mich der Sache voll und ganz hingeben und auf Grundlage der erlernten Techniken meiner Intuition, der Stimmung des Moments folgen. Das ist der kreative Teil und so ist jede Massage, selbst mit dem gleichen Menschen, jedes Mal anders. Der grundsätzliche Ablauf bleibt natürlich gleich: Hände und Füße, Gesicht werden massiert, der ganze Körper wird berührt – doch der Schwerpunkt und die Interpretation des gespielten Stückes ist jedes Mal anders, wiederholt sich nie. In beiden Bereichen beginnt die Improvisation dort, wo es eine gute Basis und profundes Wissen gibt und das ist der Teil, der dann die Kunst ausmacht.

Stefanie: Deine Musik, Dein Cello hast Du nun ganz aufgegeben und das Instrument sogar verkauft. Warum? Du hast fast 20 Jahre harter Arbeit investiert und nun, vor ein paar Jahren, alles zugunsten der Tantramassage hinter Dir gelassen? Das klingt nach einem starken Bruch.

Maria Giulia: Diese Frage wird mir oft gestellt und viele können das zunächst nicht verstehen. Diese 20 Jahre, die nur von Üben, Arbeit, Auftritten geprägt waren: das Leben eines Musikers besteht in allererster Linie aus täglicher Arbeit. Da blieb nicht viel Zeit für Hobbies oder andere Interessen übrig.

Das Cello war für mich nie ein Hobby, sondern Berufung. In den letzten 4 Jahren wurde die Tantramassage mehr und mehr zu meiner Berufung. Und in beiden Bereichen nur jeweils 50% geben, das liegt mir nicht. Wo ich mich mit Leidenschaft und Hingabe einlasse, da dann eben komplett. So war der Schritt, dass Cello zu verkaufen, nur konsequent und folgerichtig für mich. Ich gebe meine ganze Energie auf eine Sache und habe dann dort meinen Fokus. Und: ich bin sehr glücklich mit meiner Wahl und ein zufriedener und ausgeglichener Mensch dadurch.

Stefanie: Du kommst ja aus Italien. Sicherlich eher aus einer konservativen und katholischen Familie? Wie haben sie auf Deine Wahl reagiert?

Maria Giulia: Es war natürlich ein Schock für sie und dauerte eine Weile, bis sie sich daran gewöhnen konnten. Sie hatten große Hoffnungen in meine Karriere als Musikerin gesetzt, da sie selbst sehr musikbegeistert sind. Doch sie lieben mich und ich liebe sie – so haben wir einen Weg des gegenseitigen Verständnisses gefunden und sie wünschen sich im Grunde nichts mehr, als das ich ein glücklicher Mensch bin.

Ich bin stolz auf diesen Beruf und stehe voll hinter der Tantramassage. Es ist meine Berufung, macht mir sehr viel Spaß und es ist der richtige Platz im Leben für mich. Das gibt mir Sinnhaftigkeit und Zufriedenheit. Und auch die Freiheit, dazu zu stehen, ich verstecke mich nicht damit. Das spürt meine Familie und so kann sie es akzeptieren, dass es der richtige Weg für mich ist und es mir gut tut.

Den zweiten Teil des Intervies mit Maria-Giulia und wie sie überhaupt nach Deutschland und dann zur Tantramassage kam, könnt Ihr in den nächsten Tag hier lesen.

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SEXarbeiterin – die Dokumentation im Kino

SA_A6Vieles aus dem Film trifft auch auf unsere Arbeit bei Ananda zu und so war es nicht verwunderlich, dass rund 10 Frauen aus unserem Team, sowie etliche Freunde zur Köln Premiere mit Podiumsdiskussion kamen.
Lena Morgenroth steht mit Begeisterung hinter ihrer Arbeit  und tritt dafür mit ihrem bürgerlichen Namen ein: ähnlich wie wir kämpft sie um eine allgemeine gesellschaftliche Anerkennung dieses schönen Berufes. Der Film zeigt den ganz normalen, wenn auch sehr freigeistigen Alltag einer Tantramasseurin in Berlin.
Eine Rezension von Julia

Sexarbeit. Was bedeutet das? Im Ananda kommt häufiger mal das Gespräch darauf: Sind wir Sexarbeiterinnen oder nicht? Wie bezeichnen wir uns selbst? Einerseits können und wollen wir nicht bestreiten, dass unsere Arbeit mit Sexualität zu tun hat, andererseits setzen wir uns für eine eigene, neue Berufsbezeichnung ein und möchten eine spezifische Regelung für unseren Berufsstand, der eben weder zur Wellnessmassage zählt, noch, wie wir meinen, zur Prostitution. Es geht nicht darum, dass wir uns als „heilig“ oder „heilend“ sehen, sondern darum, dass wir wissen, was Sexarbeit, was das Wort Prostitution in den Köpfen der Menschen auslöst – das Bild der viktimisierten, ausgebeuteten Frau, die vom Patriarchat unterdrückt und zur Sexarbeit gezwungen wird. Wir dagegen versuchen, eine Form von sexueller Kultur in die Gesellschaft zu bringen, die öffentliche  Anerkennung findet, und zwar unter anderem über eine klare berufliche Regelung.

„…dass Sexarbeit eine Arbeit ist wie jede andere“

Dieser Film machte Mut. Denn an ihm wird deutlich, dass Sexarbeit eine Arbeit ist wie jede andere: Es gibt dafür einen eigenen Berufsverband (Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen e.V), jede von uns führt ihre Buchhaltung, macht Geschäftstermine aus, ärgert sich schon mal über unfreundliche Gäste und hat besondere Strategien und Methoden im jeweiligen Arbeitsablauf. Im Film wird Einblick in auch unseren Arbeitsalltag geboten: die gesamten Handlungsabläufe, wie Raum vorbereiten, sich umziehen, duschen, Kerzen anzünden und auch das Geben der Massage selbst. Mit Lenas gezeigtem Alltag können die meisten von uns sich gut identifizieren: sei es einfach nur mal eben das  Altglas wegbringen oder die Schilderung von Gästen, die sich ausführlich am Telefon beraten lassen und dann doch nicht erscheinen. Genau wie die berührenden Szenen, die Lena im Kontakt mit ihren Kunden erlebt und  in denen deutlich wird, wie viel Nähe und Geborgenheit diese Begegnungen beinhalten. Gar nicht das, was man sich unter oft rein kommerziell gedachter Prostitution und Sexarbeit vorstellt, sondern sehr viel menschliche Wärme, Nähe, Gehaltenwerden, Trost, dazu aber sexuelle Leidenschaft, Genuss, Lebensfreude und Hingabe. Was Lena und viele gute Tantramasseure und –masseurinnen auszeichnet, sind die Fähigkeit und Bereitschaft, Menschen nahe zu kommen, auch und gerade mit dem ganzen Körper auf sinnliche und erotische Weise.

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Tantramassagen sind ein Teil von Lenas Angebot.

Stilistisch wurde der Film in Schwarz-Weiß gedreht, um der üblichen Pornoästhetik entgegenzuwirken. Das kann ich gut nachvollziehen, da ich selbst Kunst mache und meist in Schwarz-Weiß arbeite. Meine Bilder haben häufig sexuelle Inhalte und Ornamente in einer einfachen Zeichnungstechnik. Das Schwarz-Weiß reduziert die Information und verhindert das Abrutschen in den Kitsch. Lena hatte zunächst etwas Sorge, ob dadurch ihre Arbeit nicht überästhetisiert würde, aber das ist überhaupt nicht der Fall. Es wurde nichts geschönt. Das Schwarz-Weiß unterstützt die Nüchternheit und Klarheit des Films.

Die Teilnehmer der anschließenden Podiumsdiskussion von links: Claudia Zimmermann-Schwartz (Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen und Leiterin des Runden Tisch für Prostitution NRW), Harriet Langanke (Journalistin), Sobo Swobodnik (Regisseur), Arndt Klocke (Moderation "Grünes Kino), Lena Morgenroth, Hans Mörtter (Pfarrer Lutherkirche Köln) sowie Dr. Anne Bunte (Amtsleiterin Gesundheitsamt Köln).

von links: Claudia Zimmermann-Schwartz, Harriet Langanke, Sobo Swobodnik, Arndt Klocke, Lena Morgenroth, Hans Mörtter sowie Dr. Anne Bunte.

 

Die anschließende Podiumsdiskussion war mit spannenden Fachleuten besetzt und wurde von dem Grünen-Landtagsabgeordneten Arndt Klocke kompetent und einfühlsam moderiert. Neben Lena Morgenroth selbst und Regisseur Sobo Swobodnik beteiligten sich Claudia Zimmermann-Schwartz, Leiterin des „Runden Tisches Prostitution NRW“, Anne Bunte, Leiterin des Gesundheitsamtes der Stadt Köln, Südstadt-Pfarrer Hans Mörtter sowie GSSG-Gründerin und Sexualwissenschaftlerin Harriet Langanke an der Diskussion.

Hier wurden die unterschiedlichen Formen von Prostitution deutlich gemacht, und dass es DIE Prostitution eben nicht gibt, sondern viele Arten: von der selbst bestimmten, gut ausgebildeten Frau oder dem Mann, die auch viele andere Berufsoptionen hätten und sich bewusst für Sexarbeit entschieden haben, bis hin zu (fast ausschließlich) Frauen aus anderen Ländern, die kaum bis kein Deutsch können und hier zu dieser Arbeit gezwungen werden. Der Film hat nicht den Anspruch, einen repräsentativen Überblick zum Thema Sexarbeit zu vermitteln, sondern will nur einen kleinen Ausschnitt davon zeigen. Zweifellos gibt es neben Frauen wie Lena und uns Ananda-Masseurinnen auch solche, die diese Arbeit ausschließlich wegen des Geldes machen oder weil sie für sich keinerlei Alternativen auf dem Arbeitsmarkt sehen. Auch Zwangsprostitution und Menschenhandel gibt es natürlich, aber das sind keine Berufe. Auch diese Abgrenzung wurde deutlich gemacht. Auch, dass wenn die Prostitution in den Untergrund gezwungen wird, die Kriminalität darin logischerweise eher zunehmen wird.

„Dem Mythos folgend, dass nur Sex mit Liebe schöner Sex sein kann, was mir eine der  größten Lügen unserer Generation zu sein scheint“

In der anschließenden Podiumsdiskussion kam vom Publikum die brennende Frage, die jede von uns Masseurinnen bestimmt schon gestellt bekam: wie sich diese Arbeit denn auf die eigene Sexualität auswirke, und dahinter steckt oft die Vorstellung, man würde taub, weil man so viel abspalten müsse, weil man ja nicht einfach so mit Fremden intim werden könne usw. Dem Mythos folgend, dass nur Sex mit Liebe schöner Sex sein kann, was mir eine der  größten Lügen unserer Generation zu sein scheint. Damit wird nach wie vor ein Mythos rund um Sexualität aufrechterhalten, der es uns allen schwermacht, sich ehrlich mit dem Thema auseinanderzusetzen, zumindest in der Öffentlichkeit. Schön war Lenas klare Antwort, dass sie sich und ihre sexuellen Bedürfnisse über die Arbeit besser kennenlernen konnte und ihre Sexualität sich dadurch deutlich spannender, ehrlicher und befriedigender für sie und ihre Partner entwickelt hat. Dass sie lernte, was ihr Spaß macht, dass sie auch lernte, dies zu kommunizieren: und zwar ihren Partnern direkt, auch während des Liebesspiels. Dass sie Worte für ihre Wünsche fand, war bereichernd und erfüllend für alle Beteiligten.

Martina Weiser (Ananda Köln) mit Lena Morgenroth - man kennt sich über gemeinsame Freunde und durch die Crowdfunding Aktion für den Film

Martina Weiser (Ananda Köln) mit Lena Morgenroth – man kennt sich über gemeinsame Freunde und durch die Crowdfunding Aktion für den Film

Ich erlebe das an mir selbst sehr ähnlich. Bei mir, bei meinen Kolleginnen und bei meinen Kollegen. Auch meine Gäste verändern sich, werden offener und klarer mit ihren Wünschen, wenn sie häufiger zur Massage kommen, lernen ihren Körper besser kennen oder kommen gleich mit Partner zur Paarmassage oder zum Coaching. Was wir machen, und das wurde in diesem Film deutlich: Wir geben der Sexualität einen kunstvollen, kreativen Rahmen, der viele neue Möglichkeiten eröffnet, Sehnsüchte erfüllen kann und neue Impulse gibt. Außerdem zeigt Lena, zeigen auch wir als Tantramasseur/-innen, dass befriedigende Sexualität nicht ausschließlich über Penetration erreicht werden kann. Für uns ist dies ein wichtiger Baustein zum Aufbau einer offenen und lebensbejahenden sexuellen Kultur.

„der Regisseur selbst (…)  erfuhr Stigmatisierung, als er die Crowdfounding Campagne startete und dafür Sexarbeit angeboten hat.“

Mir machte die anschließende Diskussionsrunde Mut und gab mir Selbstbewusstsein im Umgang mit meiner Arbeit in der Öffentlichkeit. Auch dass Frau Zimmermann-Schwartz bestätigte, wie viel Schmerz an diesem Stigma hängt, sowie der Regisseur selbst, der genau diese Stigmatisierung erfuhr, als er die Crowdfounding Campagne startete und dafür selbst Sexarbeit angeboten hat. (Siehe auch unser Beitrag hier)
Man ist damit nicht alleine. Das gibt mir Kraft, mich noch mehr zu engagieren und mich ehrlich mit meiner Arbeit zu zeigen. Es tat mir und meinen Teamkolleginnen gut, dass sich alle Fachleute einig waren: Eine Ausgrenzung von Sexarbeiterinnen nützt niemandem! Stattdessen sollten Respekt und Akzeptanz für eine freiwillige Berufswahl in diesem Bereich gefördert werden. Nach wie vor ist gleichzeitig weiterhin Hilfe für Menschen wichtig, die aus einer Not- oder Zwangslage heraus unfreiwillig in der Sexarbeit gelandet sind oder dorthin gezwungen wurden.

Wir brauchen Ehrlichkeit im Umgang mit Sexualität. Lenas ungeschönter Einblick in ihren Arbeitsalltag ist ein feministisches Manifest. Was im Refrain der starken, und im Gegensatz zur Nüchternheit des restlichen Films, dramatischen Filmmusik deutlich wird:

„Keep your body out of business, cause the body is holy ground… well it is my own precious body, so stop bossing me around!“

Vielen Dank!

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Julia-500x300Julia gehört zu den Liberty-Fachfrauen im Ananda-Team.
Berührung und die Auseinandersetzung mit Sexualität und Kunst brachten Julia sehr stark in die Verbindung mit ihrer Kraft und Kreativität.
Sie versteht ihre Arbeit als einen Beitrag zur Integration von Sexualität in jedem Einzelnen und in der Gesellschaft und vor allem als eine bewusste Hinwendung zur Freude und Fülle des Lebens.

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„Das ist doch irgendwas mit Sex?“

TantramassageIch liebe meine Arbeit. Ich bin froh, das sagen zu können, denn ich musste Mitte vierzig werden, bis ich herausgefunden habe, was mich wirklich glücklich macht: Menschen zu berühren.

Im Hochsommer bin ich mit dem ICE quer durch Deutschland gefahren und nachdem wegen der Hitze erst ein Notarzteinsatz und dann ein starkes Gewitter meine Fahrt verzögert hatten, war es nach Mitternacht und ich erreichte den letzten Anschlusszug, der mich an diesem Tag zu meinem Zielort hätte bringen können, nicht mehr. Wie ich feststellen durfte, finanziert die Bahn ihren Fahrgästen in solchen Fällen eine Fahrt mit dem Taxi.
Kurz darauf saß ich also in einem elfenbeinfarbenen Mercedes, neben mir ein leicht genervter Fahrer, im Fond ein junger Marinesoldat, dessen Kaserne keineswegs auf meiner Route lag und im Kofferraum mein großer schwarzer Koffer.

„Wohin soll es denn gehen?“ fragte der Fahrer mich im unverkennbaren Jargon der Hafenquartiere. Ich nannte den Namen des abgelegenen Seminarhauses und nachdem sein Navi die Adresse gefunden und ich ihm den Gefallen getan hatte, die Blitzer-App auf meinem Handy zu aktivieren, entspannte sich die Stimmung etwas. „Was wird denn da geboten?“ wollte er wissen. Vor uns lag eine lange Fahrt über Landstraßen, er war müde und konnte Unterhaltung gebrauchen, das leuchtete mir ein. „Ich fahre zu einem Massageseminar“ antwortete ich betont kühl und überlegte, wie ich das Thema wechseln könnte. Schließlich war es Nacht und ich saß mit zwei fremden Männern in einem fremden Auto. Aber ich war erschöpft von der langen Fahrt und der Hitze. Mir fiel nichts ein und im Lügen bin ich schlecht.

Er reagierte, wie bisher jeder reagiert hat, dem ich von meinem neuen Beruf erzähle: Erst mit nervösem Lachen, dann mit gespanntem Schweigen, schließlich mit ehrlichem Interesse und offenherzigen Fragen

„Ah, Sie wollen Massage lernen?“ hakte er nach. Sein Ton war nicht unfreundlich, verriet aber deutlich, was er von derlei Zeitvertreib hielt. „Nein, ich assistiere bei der Ausbildung“ sagte ich mit kalkulierter Arroganz und hoffte, ihn damit ausreichend einzuschüchtern, um weitere Nachfragen zu unterbinden. Verstohlen warf ich einen Blick auf die Rückbank und sah, dass mein Mitreisender mit dem Kopf auf seinem Seesack eingeschlafen war. Immerhin hatte ich jetzt nur noch einen Zuhörer. Den Taxifahrer schienen meine ausweichenden Antworten anzuspornen, es klang fast provokant, als er fragte: „Sie sind Physiotherapeutin?“ Plötzlich musste ich lachen. Die Situation war einfach zu komisch. Ich entschied mich einmal mehr, einfach die Wahrheit zu sagen und antwortete: „Nein, ich bin Tantramasseurin.“
Er reagierte, wie bisher jeder reagiert hat, dem ich von meinem neuen Beruf erzähle: Erst mit nervösem Lachen, dann mit gespanntem Schweigen, schließlich mit ehrlichem Interesse und offenherzigen Fragen. Es wurde eine sehr kurzweilige Fahrt und als er zwei Stunden später meinen schweren Koffer auf dem gepflasterten Hof des Seminarhauses auslud, verabschiedete er sich mit Handschlag und bedankte sich bei mir. Ich hatte ihn berührt.

Das T-Wort 

Ich habe noch nicht viele professionelle Massagen gegeben, weil ich noch nicht die passenden Rahmenbedingungen habe, um diese Tätigkeit mit meinem Familienleben zu vereinbaren. Ich suche nach eigenen Räumen und ich bin dabei, mich auf die Arbeit mit Frauen zu spezialisieren. Dafür gibt es so schöne Namen wie „Perlentor“, „Rosenblütenmassage“ oder „Schossraumheilung“. Das einzige Wort, das wir im deutschsprachigen Raum auf jeden Fall meiden sollten, sagte meine Ausbilderin kürzlich, sei das Wort „Tantramassage“.
Mich macht das traurig und wütend, aber wahrscheinlich werde auch ich diesen Rat beherzigen. So wie viele meiner Kolleginnen und Kollegen, die ihre wunderbare Arbeit mit mehr oder weniger blumigen Formulierungen umschreiben, damit Google dieses Wort, das ihre Haltung von tief empfundenem Respekt und wertungsfreier Annahme von allem Menschlichen ausdrückt, nicht aus ihrer Homepage filtert: „Tantra“. Denn die Realität ist, dass die „Tantramassage“ nicht geschützt ist und sich unter diesem Suchbegriff von der halbstündigen Erotikmassage bis zur mehrstündigen, tiefgreifenden, prozessorientierten Körperarbeit ein breit gefächertes Angebot finden lässt, das den Laien überfordert. Den Mainstream dominiert wohl eher die Assoziation von Schummerlicht, Räucherstäbchen und Gleitgel.

Tantra öffnet einen Raum für Sexualität jenseits von anerzogenen Normen und pornomäßigem Leistungsdruck und dieser Raum ist mir heilig geworden 

Wenn ich Freunde und Bekannte frage, was sie über Tantra wissen, ist die Standardantwort: „Das ist doch irgendwas mit Sex?“ Wie diese religiöse Richtung bei uns im Westen rezipiert wird sagt viel über unsere Gesellschaft, denn nur 7% der tantrischen Schriften befassen sich mit Sexualität, aber das Besondere ist in der Tat, dass diese als integraler Bestandteil der menschlichen Existenz betrachtet, geehrt und kultiviert wird. Also in etwa so, wie ein kleines Kind natürlicherweise mit seinen Geschlechtsteilen umgeht: Es berührt sie, weil sie zu seinem Körper gehören, weil sie sich gut anfühlen und das Lebensgefühl steigern. Nicht mehr und nicht weniger. Da gibt es kein „Iih, das ist eklig!“ und kein „Wow, bin ich kinky!“, kein „Das gehört sich nicht!“ und kein „Die anderen können/ fühlen/ haben bestimmt mehr, ich bin irgendwie falsch!“. Tantra öffnet einen Raum für Sexualität jenseits von anerzogenen Normen und pornomäßigem Leistungsdruck und dieser Raum ist mir heilig geworden.

Von der Selbstliebe zur Selbstfindung

Meine Ehe ist unter anderem daran gescheitert, dass wir diesen Raum nicht gefunden haben. Wir entfernten uns immer mehr voneinander und pendelten uns irgendwann beim kleinsten gemeinsamen Nenner ein, der formal die Anforderungen eines geregelten Geschlechtsverkehrs erfüllte, aber mit echter Intimität und Begegnung nichts mehr zu tun hatte. Ich fühlte mich taub und leer und flüchtete ins innere Exil, er verbrachte die Nächte vor dem Computer. Nachdem ich (erfolglos) versucht hatte, bei einem anderen etwas von meinem früheren Körpergefühl wiederzufinden und mein Mann dies herausgefunden hatte, kamen die Karten auf den Tisch.

 …ich war sexuell uninteressant und als Frau einfach nur noch langweilig, gerade gut genug für Kinder und Küche.

Er erzählte von seiner Pornosucht, der Jagd auf bewegte Bilder, auf immer stärkere Reize, die er schon lange nicht mehr kontrollieren konnte, obwohl er sich selber dafür hasste und sich ausgezehrt und überreizt fühlte. Ich war gleichzeitig angewidert und zutiefst verunsichert und zog mich komplett von ihm zurück. Ich fühlte mich in dem bestätigt, was ich insgeheim schon lange befürchtet hatte: Ich war nicht mehr schön, ich war nicht mehr begehrenswert, ich war sexuell uninteressant und als Frau einfach nur noch langweilig, gerade gut genug für Kinder und Küche.

Nähe oder gar Körperkontakt konnte ich nicht mehr ertragen. Ich reichte ihm am Esstisch den Teller so, dass unsere Hände sich nicht berührten und suchte mir einen eigenen Schlafplatz im Haus. Statt abends mit ihm vor dem Fernsehen zu sitzen, las ich Bücher über Sexualität und experimentierte mit sexueller Selbstliebe. Ich stellte fest, dass meine Vagina keineswegs taub war, sondern offenbar durch die Geburten und das Älterwerden noch viel empfindungsreicher und lebendiger als je zuvor. Das war toll, ein großes Geschenk und ich entwickelte einen neuen Stolz auf mich und meinen Körper. Doch oft liefen mir nach einem besonders schönen Orgasmus die Tränen runter, denn ich sehnte mich so sehr danach, von jemandem gesehen zu werden. Damit meine ich nicht den geilen Blick, mit dem man sich im Porno anguckt, wie eine Frau es sich selbst macht. Mein Wunsch war, so gesehen zu werden, wie ich wirklich bin.

Letzte Woche ging dieser Wunsch bei einem Seminar meiner neuen Ausbildung in „Frauenmassage und Sexualcoaching für Frauen“ in Erfüllung. Wir sollten mit unserer Partnerin ein Selbstlieberitual mit „Whitnessing“ üben. Das heißt, die eine Frau hatte 45 Minuten Zeit, sich mittels einer bestimmten Atmung und den Stimulationstechniken ihrer Wahl selbst in einen wellenförmig ansteigenden Erregungszustand zu bringen und die Energie dann zu entladen, während die andere einfach nur als Zeugin neben ihr saß. Genau wie alle anderen war ich überzeugt, dass ich in einem Raum mit zwanzig Frauen, zur Geräuschkulisse batteriebetriebener Toys und unter der Aufsicht eines Schwarms von Assistentinnen in jeden anderen Zustand als in den der Erregung kommen würde, geschweige denn dass ich mehrere Wellen davon aufbauen und mich einem Orgasmus auch nur auf Sicht nähern würde.

 …es macht für mich keinen Unterschied mehr, ob ich ihren Rücken, ihren Intimbereich oder ihren Anus massiere

Das Gegenteil war der Fall: Ich fühlte mich weder beobachtet noch gestört, sondern absolut frei und gleichzeitig geborgen und sicher inmitten dem Stöhnen, Schreien, Seufzen und Summen um mich herum. Ich spürte die anderen und ich spürte mich, Atem, Stimme und Bewegungen, alles was ich gelernt hatte, floss wie von selbst und ich erlebte meinen intensivsten selfmade-Orgasmus aller Zeiten. Als ich – noch etwas benommen – die Augen wieder öffnete, schaute meine Partnerin mich an. Ihr Blick war so weich und offen wie meiner und ich kann nicht beschreiben, wie glücklich es mich gemacht hat, dass ich mich ihr so zeigen konnte und dass sie mich so gesehen hat.

Und was ist nun mit dem Sex? 

Meine Ausbildung hat mich sehr verändert. Mein Wertesystem hat sich verschoben und meine Grenzen ebenfalls. Während ich gelernt habe Männer zu massieren, habe ich mich ihnen aus der sicheren Distanz der Professionalität wieder angenähert, Schritt für Schritt. Am Anfang muss ich beim Vorgespräch ausgesehen haben wie eine Chefsekretärin: die Beine übergeschlagen und den Schreibblock auf den Knien. Ich hatte Vorurteile und war voller Misstrauen. Doch dann habe ich Männer erlebt, die mir von ihren Ängsten, Unsicherheiten und Wünschen erzählt haben, die zu weinen anfingen, sobald ich zu Beginn des Rituales ihre Hand in meinen Händen hielt, die mir später schrieben, dass diese Erfahrung ein Wendepunkt in ihrem Leben gewesen sei. Inzwischen spielt es für mich keine Rolle mehr, dass sie nackt sind und dass ich nackt bin, es macht für mich keinen Unterschied mehr, ob ich ihren Rücken, ihren Intimbereich oder ihren Anus massiere, denn sie haben dieselbe Sehnsucht nach Berührung und wollen genauso gesehen werden wie ich.

Weil ich Tantramassagen gebe und bei Ausbildungsseminaren assistiere denken viele, ich sei eine Art Sexgöttin, jedenfalls aber eine Expertin und gelegentlich werde ich nach ein paar Gläsern Wein hinter vorgehaltener Hand nach meinen geheimen tantrischen Sex-Tricks gefragt. Es tut mir leid, aber ich kenne keine Tricks. Ich habe eine Massageausbildung mit spirituellem Hintergrund gemacht, sexuelle Interaktion war nicht Bestandteil des Curriculums. Ich habe viel über Sexualität und noch mehr über mich selber gelernt. Es war ein weiter Weg, es war mein Weg und er ist noch lange nicht zu Ende.
Was meinen privaten Kontakt zu Männern betrifft, wage ich mich nach dreieinhalb annähernd sexfreien Jahren langsam aus meinem Schneckenhaus. Es war gut, eine Pause zu machen, alles auf „reset“ zu setzen und ganz von vorne anzufangen: Bei mir. Ich weiß jetzt genauer, was ich will und ich sorge besser für mich und meine Bedürfnisse. Nicht nur beim Sex, aber auch beim Sex.

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handei_5566_2_300Die Autorin Nora schreibt über sich: Ich bin 47 Jahre alt, in Trennung und Mutter von drei Kindern im Alter zwischen 7 und 19 Jahren. Ich lebe in einem alternativen Dorfprojekt am Rande einer deutschen Großstadt. Früher habe ich Politik und Volkswirtschaft studiert und mein Geld mit Öffentlichkeits- und redaktioneller Arbeit verdient.
Die Ausbildungen in Tantramassage, Frauenmassage und Sexualcoaching für Frauen habe ich inzwischen abgeschlossen und arbeite jetzt als Gesundheitspraktikerin für weibliche Sexualität. Aktuell stehe ich am Anfang einer Fortbildung nach dem Konzept Sexocorporel.

Weitere Texte über Tantramassage auf Noras Blog

„For me, words are a form of action, capable of influencing change.“ Ingrid Bengis

 

Ein Kommentar

Das Oster-Gewinnspiel

ananda_osternAm Donnerstag den 31. März um 12.00 Uhr endet das Gewinnspiel mit der Auszählung der Likes und dem Verschicken des Gutscheins.

Hier nochmal die Regel für das Gewinnspiel:

Ananda verlost von November bis März in jedem Wintermonat zwei Stunden Tantramassage – unser beliebtestes Angebot.
Schreib uns per Facebook einen Kommentar, warum Du selbst oder jemand aus Deinem Bekanntenkreis diese Massage bekommen sollte:

Bisher waren alle Gewinner weiblich!
Zum Teil waren es schöne Gedichte – oder eine Geschichte aus dem Leben – oder sie haben ihren Facebook Freundeskreis aktiviert und viele Likes bekommen, weil man sie als Mensch mag – und nicht unbedingt weil der Kommentar so kreativ war.

Hier alle bisherigen Gewinnerinnen:

Februar Gewinnerin mit 46 Likes 

Mathilde Monn Karneval war göttlich.
Dieses Feiern und Genießen ausklingen lassen …
das würde ich am liebsten mit dieser Massage im Ananda tun.

Januar Gewinnerin mit 44 Likes 

Dea Heibel Eine Geschichte aus dem Leben….

Vor Jahren habe ich ein Mädchen im Rahmen der Einzelfallhilfe des Jugendamtes betreut. Sie war damals 10 Jahre alt. Heute wird sie 35 Jahre. Ihr würde ich gerne eine Massage schenken. Sie hatte es nie leicht in all den Jahren, musste viel Gewalt erleiden und bewältigt ihr Leben heute als alleinerziehend Mutter von Zwillingsmädchen mit Hilfe des betreuten Wohnens. Eine lustvolle Sexualität zu leben, wünscht sie sich sehr und so habe ich hier vor ein paar Wochen Bücher und einen Film zu Tantra geliehen. Sie findet es sehr spannend und war so mutig es auch auszuprobieren mal anders ran zu gehen. Ihr Versuch dahingehend sich langsam mit einem Mann darin anzunähern ist an ihm gescheitert, der dann wieder mal die schnelle Nummer gegen ihren Willen durchsetzte. Ich würde ihr gerne mal eine positive Erfahrung schenken, jedoch bin ich ihr gegenüber in keiner so neutralen Rolle, dass ich sie massieren könnte. Sie liegt mir einfach am Herzen und ist in ihren Möglichkeiten sehr beschränkt. Aber sie hat eine solche Kraft und Lebensfreude trotz allem bewahrt. Daher bitte ich Euch um Likes für ein Geburtstagsgeschenk.

Dezember Gewinnerin  mit 16 Likes 

Bianca Siepmann Advent, Advent ein Lichtlein brennt.
Erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier, ich hoff, ich steh dann vor der Tür – eine Massage die wünsch ich mir.

Dort draus vom Parkplatz, da komm ich her, ich muss euch sagen, ich genieße dies sehr, wenn mich so freudig die Federn kitzeln, wohlige Schauer durch den Körper blitzen, hab ich schon Engel und Sternlein gesehen, kann mich kaum halten und sicher nicht stehn.

Schau auch nicht unter der Maske hervor, bin ganz bei mir und spitze das Ohr.
Ich lausche den Klängen, rieche den Duft, der liegt in der Luft und höre mich atmen, genieße es sehr, wie das auf und ab der Wellen im Meer.
Ich liebe das Spiel, ich liebe den Tanz, ich liebe die Wärme, Geborgenheit und Glanz.
Getragen von Händen aus Seide und Samt, zieh ich von dannen, die Liebe ins Land.
Was kann es im Leben noch schöneres geben, als ein Netz aus Liebe zu weben?

Liebes Christkind hör gut zu und sei bald hier, genau das ist es was ich wünsche mir!

November Gewinnerin mit 15 Likes

Silke Schnitzler Nimm mich mit…
*
wie eine Blume
von der grünen Wiese dort,
werd Dir Dein Gemüt erhellen,
gehe nie mehr wieder fort.
*
Nimm mich mit…
*
so wie das Kind, das
seinen Teddy an sich drückt,
wirst auch Du die Kinder lieben
und verstehn was sie beglückt.
*
Nimm mich mit…
*
wie eine Brise,
die vom Ozean her weht,
und wie eine frische Welle
Deine trübe Stimmung klärt.
*
Nimm mich mit…
*
wie Sonnenstrahlen,
die den jungen Tag erhellen,
wirst so wie der Lenz Dich fühlen
und Dein Leben neu bestellen.
*
Nimm mich mit…
*
aus einem Leben,
dass voller Glück war und geborgen,
das ist wohl die schönste Quelle
um noch lang davon zu zehren.
*
Wenn Du einmal traurig bist,
kommt die Erinnerung
zurück.
*
Nimm mich mit…
und Du wirst seh’n,
ich mache Dir das Leben schön

… ich würde gerne gewinnen, weil nun bald jegliche Farben und wärme aus der Natur verschwinden und eine wärmespendende, sinnliche Massage auf jeden Fall die wunderbare Wärme des Sommers mit in den Winter verschieben würde „heart“-Emoticon ausserdem ist eine Massage bei Euch ein wirklich wunderbares Erlebnis und ich war schon viel zu lange nicht mehr bei Euch „smile“…. ich drücke aber allen die Daumen – weil jeder der dafür offen ist, sollte es wenigstens einmal genießen und erfahren ….

 

Der Kommentar mit den meisten Likes gewinnt – bzw. die Person, die laut diesem Kommentar die Massage am meisten verdient hat. Mit etwas Glück landet ein Gutschein bei Dir und Du darfst dieses unbeschreibliche Erlebnis selbst erfahren oder verschenken.

Mitmachen kann jeder volljährige Facebook-Nutzer. Die Gewinnerin oder der Gewinner wird mit Facebook-Namen veröffentlicht und angeschrieben. Wir benötigen dann die komplette Postadresse, um den Gutschein zu verschicken. Für uns ist es selbstverständlich, dass wir eure Daten vertraulich behandeln. Wir geben diese nicht unbefugt an Dritte weiter.

Die Ananda Rückgabe-Garantie gilt nur für gekaufte Geschenkgutscheine – jedoch kann jeder Gutschein weitergegeben werden oder zu einem späteren Zeitpunkt eingelöst werden. Unsere Gutscheine haben eine zeitlich unbegrenzte Gültigkeit.

Die vollständigen Teilnahmebedingungen für Gewinnspiele und Verlosungen bei Ananda findet ihr hier.

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